Wir alle haben Vorurteile, aber..

Ich bin Kristina, 28 Jahre alt und lebe mit meinem Mann in Hamburg. Er hat westafrikanische Wurzeln, ich bin deutsch. Er ist Moslem, ich habe keinen Glauben. Er ist schwarz, ich bin weiß. Und wir sind verheiratet.
Wir leben ein ganz normales Leben. Gemeinsam mit unseren Familien und Freunden, die aus allen möglichen Ländern dieser Welt kommen. Unser Alltag ist multikulturell. Bunt. Und sehr bereichernd. Niemals habe ich nach der Religion eines Menschen gefragt, wenn ich ihn kennengelernt habe. Ich respektiere alle Religionen und die Menschen, die sie leben. Für mich zählt, was ein Mensch tut. Wie er mir begegnet. Wie er handelt. Wie er Gut von Böse unterscheidet. Ob er das tut, weil sein Glaube ihm das vermittelt, oder einfach, weil sein Herz es ihm sagt, ist für mich unwichtig.

Niemand von uns ist vorurteilsfrei. Auch ich nicht. Manchmal erwische ich mich dabei, in Schubladen zu denken. Vorurteile zu haben, ohne es zu wollen. Das ist normal, denke ich. Wichtig ist nur, dass wir merken, wie wir denken und uns dabei stoppen. Oder einfach unsere Gedanken hinterfragen.

Manchmal höre ich Leute sagen, „du bist so deutsch“, wenn ich beispielsweise meinen Tag planen will und mich nicht mit einem „wir gucken mal, wann wir uns treffen“ oder so zufrieden geben möchte. Pünktlichkeit und Pedanterie sind Vorurteile, die Menschen von uns Deutschen haben. Oder, dass wir Norddeutschen unterkühlt sind und zum Lachen in den Keller gehen. Stimmt es? Natürlich nicht. Zumindest bei mir nicht. Und weil man bei Vorurteilen immer eine bestimmte Masse an Menschen pauschal verurteilt, kann ich in diesen Punkten auch nur für mich sprechen. Denn sonst wären es ja wieder Vorurteile. Ich kenne die anderen Menschen ja gar nicht.

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Das ist die Krux an der Geschichte. Woher soll ich denn wissen, wie ein Mensch ist, wenn ich ihn gar nicht kenne, noch nie mit ihm gesprochen habe? Eigentlich doch ein Widerspruch in sich, oder?

Bei REFUBURG machen wir genau das. Wir lernen Menschen kennen. Hören ihnen zu, wenn sie uns ihre Geschichten erzählen. Lachen mit ihnen und manchmal fließt auch mal eine Träne. Die Menschen, denen wir begegnen, sind tolle Menschen. Menschen, die einen weiten, schweren und oft sehr gefährlichen Weg auf sich genommen haben, um sich und in erster Linie ihre Familien zu retten. Sie fliehen vor Krieg und Verfolgung. Zu denken, sie seien gekommen, um unser Land einzunehmen und sich auf unserem Sozialsystem auszuruhen, ist falsch und unfair. Das würden sie auch den Menschen sagen, wenn sie danach gefragt würden. Also, geht auf die Menschen zu und sprecht mit ihnen. Lasst Euch ihre Gründe erklären. Nehmt sie ernst. Ihr werdet überrascht sein.

(kk)