Omar, 29 Jahre

Name: Omar
Alter: 29 Jahre
Herkunft: Damaskus, Syrien
Tätigkeit im Heimatland: Metallschleifer und Metallpolierer
In Deutschland seit: August 2015
Sprachkenntnisse: Arabisch (Muttersprache), Türkisch, Deutsch (A2)
Liebt: Fußball spielen, seine Frau Alya und Sohn Mohammed Zaid, liebt es Kinder zu schminken
Bisherige Tätigkeiten in Deutschland: trägt einmal in der Woche Zeitung aus
Größter Wunsch: ein gutes Leben in Deutschland mit einem Job und netten Freunden und dass er mit seiner Frau für immer bleiben darf

In seiner Heimat Syrien arbeitet Omar als Metallpolierer und Metallschleifer. Er führt ein glückliches Leben mit seiner Frau Alya. Doch dann kommt der Krieg und fordert seine Opfer. Omars Bruder ist eines dieser Opfer. Die Grausamkeit des Krieges zwingt das junge Paar, das Land zu verlassen und erst Schutz in der Türkei und später in Deutschland zu suchen. In der neuen Heimat angekommen, kommt ihr kleiner Sohn Mohammed Zaid auf die Welt.

„Als mein Bruder 2013 Krieg stirbt, steht für uns fest: wir müssen weg. Es ist einfach zu gefährlich gewesen“, erzählt uns Omar an seinem Couchtisch während wir süßen schwarzen Tee trinken. Seine Augen lassen für einen kurzen Augenblick erahnen, wie sehr ihn der Tod des eigenen Bruders immer noch belastet.

Das Gespräch, das wir führen, ist aber grundsätzlich von Lachen geprägt. Das liegt nicht zuletzt am einjährigen Mohammed Zaid, der mit seinen großen Kulleraugen immer wieder unsere Aufmerksamkeit auf sich lenkt. Auch Omars Frau Alya scheint sich wohl zu fühlen. Sie scherzt und lacht viel. Und dann ist da noch Hasan, der Neffe von Alya und Omar. Er flieht damals gemeinsam mit der Familie aus der Türkei nach Deutschland. Seine Eltern muss er zurück lassen. Heute wohnt er in einer betreuten Wohngruppe. Sein Deutsch ist großartig. Mehrmals muss ich ihn loben, denn er spricht fast akzentfrei und kann für Omar ohne Anstrengung übersetzen, wenn ihm die Worte fehlen. „Deutsch zu lernen ist schwer, aber nur für uns Erwachsene, nicht für die Kinder“, sagt Omar und lacht.

In seiner Heimat arbeitet der junge Mann 12 Jahre lang als Metallpolierer und Metallschleifer. Er bearbeitet hauptsächlich Metalle wie Kupfer, Silber, Gold und Aluminium. Auch in den zwei Jahren, in denen die Familie in der Türkei lebt, arbeitet Omar in diesem Beruf, versucht so etwas Geld für die Flucht zu verdienen. Ein hartes Pflaster, wie er uns erzählt – viel Arbeit für sehr wenig Geld. Er zeigt uns Bilder seiner Arbeiten und ist sichtbar stolz auf die Kunst und Handfertigkeit, die dahinter stecken. Aufwendig bearbeitetes Geschirr, wunderschöne Teekannen und vieles mehr. Kleine Kunstwerke, die er per Hand gefertigt hat. Es ist spürbar, dass er seinen Beruf liebt.

Alya und Omar besuchen beide einen Deutschkurs. Alya geht zwei Mal in der Woche zu einem Mutter-Kind-Kurs, bei dem Kleinkinder und Babys erlaubt sind. Sie lernt derzeit für die A2-Prüfung, erzählt sie uns. „Ich bin auf der Suche nach einem Krippenplatz für Mohammed Zaid“, sagt Omar. „Dann kann Alya in der Zeit schneller und besser Deutsch lernen.“ Er selbst kann sich schon gut verständigen. Aktuell bereitet er sich auf die B1-Prüfung Ende Juni vor. Er hat sich fest vorgenommen, die Prüfung zu bestehen. Danach würde er gerne anfangen zu arbeiten, am liebsten wieder in seinem Beruf oder einem verwandten Beruf. Wenn nötig, ist er auch bereit, eine Ausbildung zu machen. Er lernt schnell und gern.

Die Familie fühlt sich wohl in Deutschland. Scheint angekommen zu sein. Den Kontakt in die Heimat hält Omar aber jeden Tag. Ein Teil seiner Familie lebt noch in Syrien, der andere Teil in der Türkei. Sie scheinen zufrieden, haben keine große Ansprüche. Auf die Frage, was die Familie am meisten vermisse, sind sie sich schnell einig: der gesellige Zusammenhalt zwischen Familie, Nachbarn und Freunden. „In Syrien lebten wir mit der ganzen Familie in einem sehr großen Haus“, erklären Omar und Alya. „In unserer Kultur verbringen wir die Abende oft in Gesellschaft von Freunden und Nachbarn, die einfach vorbei kommen. Die Männer spielen Karten bis tief in die Nacht, die Frauen reden. Kinder spielen auf der Straße zusammen. Das Haus steht einfach offen und die Menschen kommen vorbei.“ Das sei etwas, das sie sehr vermissen würden.

Omars Arbeiten:



Text: Kristina Kaba
Fotos: Anne Neumann, Omar

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