Mantinou, 18 Jahre

Name: Mantinou
Alter: 18 Jahre
Herkunft: Porto Novo, Benin
Tätigkeit im Heimatland: Schüler
In Deutschland seit: 2014
Sprachkenntnisse: Französisch (Muttersprache), Yoruba, Deutsch (B2), Englisch
Liebt: die Natur, unter Freunden zu sein, Fußballspielen, tanzt gern
Bisherige Tätigkeiten in Deutschland: Freiwilliges Soziales Jahr an einer Grund- und Hauptschule
Größter Wunsch: in Sicherheit leben zu können, eine Ausbildung in Deutschland zu machen

Mantinou ist noch nicht volljährig, als er als Flüchtling nach Deutschland kommt. Er stammt aus dem westafrikanischen Benin, flieht vor Gewalt und Verfolgung. Die Flucht nach Deutschland ist sein einziger Ausweg, um in Sicherheit leben zu können. Hier angekommen findet er schnell Anschluss, schließt neue Freundschaften und genießt das bunte Leben in Hamburg-Harburg. Erst macht er seinen Realschulabschluss, dann absolviert er ein Freiwilliges Soziales Jahr an einer Grund- und Hauptschule. Alles scheint auf einem guten Weg zu sein. Doch dann der Schock: er soll abgeschoben werden. Soll zurück in die Heimat, in die Nähe der Menschen, vor denen er geflohen ist…

Mantinou ist seit einigen Monaten 18 Jahre alt. Laut Gesetzt damit volljährig. Er wohnt in einer betreuten Einrichtung für junge Erwachsene in Hamburg. In seiner Ein-Zimmer-Wohnung führen wir das Gespräch für dieses Profil.

„Ich habe in Benin einige Monate auf der Straße gelebt“, erzählt der junge Mann direkt am Anfang unseres Gesprächs. „Dort wurde ich von einer Gruppe von Menschen verfolgt, mehrfach verprügelt. Ich hatte Todesangst“, sagt Mantinou und erklärt: „Deswegen musste ich das Land verlassen.“

In Deutschland angekommen wird er als unbegleiteter, minderjähriger Flüchtling in verschiedene Maßnahmen gesteckt. Absolviert erfolgreich die Schule mit dem Sprachniveau B2 und macht gleichzeitig seinen Realschulabschluss. Es gefällt ihm in seiner neuen Heimat, endlich kann er sich sicher fühlen und hat ein Dach über dem Kopf. „Am liebsten bin ich aber draußen in der Natur. Wenn ich zu lange in meinem Zimmer rumsitze, mache ich mir zu große Sorgen um meine Zukunft“, erzählt der 18-Jährige. „Dann gehe ich raus, mache einen Spaziergang, um den Kopf wieder freizukriegen.“

Mit seinem Vater hat er einige Zeit in Nigeria gelebt. Doch dann wurde es dort zu gefährlich für ihn und er wird in sein Heimatland Benin geschickt. Aber auch dort ist es nicht weniger gefährlich. Er geht nicht ins Detail in unserem Gespräch, sagt nicht, wer diese Männer sind, die es auf ihn abgesehen haben und was die Gründe dafür sind. Aber er macht Andeutungen. Sie haben ihn immer wieder aufgespürt und verprügelt. „Sie sagten mir: ‚Egal, wohin Du gehst oder wo Du Dich vor uns versteckst, wir werden Dich finden’.“ Mantinou ist damals gerade mal 15 Jahre alt. Er hat große Angst. Ein Freund seines Vaters nimmt sich ihm an und kauft ihm ein Ticket nach Deutschland. Hier beantragt er Asyl. Doch mittlerweile ist er volljährig und soll abgeschoben werden. Eine Vorstellung, über die er kaum sprechen mag – so groß ist die Angst vor der Rückkehr nach Benin.

Mantinou ist ehrgeizig, hat gute Noten in der Schule und ist sehr beliebt bei seinen Freunden und seiner deutschen Ersatzfamilie. Sie ist es auch, die ihn für REFUBURG vorschlägt. Es wird sich gekümmert. Und doch sind alle fassungslos, wenn sie an den Ablehnungsbescheid denken, der vor einigen Wochen per Post kam.

Eine Ausbildung wäre für Mantinou nicht nur beruflich, sondern auch persönlich wichtig. Denn dann greift die 3+2-Regelung, die gewährleistet, dass der Auszubildende nach den drei Ausbildungsjahren auch noch weitere zwei Jahre in Deutschland bleiben darf. Eine Sicherheit, die nicht nur den Geflüchteten zu Gute kommt. Sie soll viel mehr den Betrieben eine wirtschaftliche Grundlage ermöglichen, Geflüchtete auszubilden und in sie zu investieren. Für Mantinou wäre es die Chance auf eine bessere Zukunft. Endlich könnte er zu Ruhe kommen und in Sicherheit leben und arbeiten.

Am liebsten würde Mantinou eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann machen. „Irgendwann möchte ich dann ein eigenes Geschäft haben“, erzählt er von seinen Zukunftswünschen. „Ich würde gerne im Bereich Im- und Export tätig sein – am liebsten zwischen Deutschland und Afrika. Und das Geld, was ich nicht zum Leben brauche, spende ich dann an Straßenkinder in Benin“, sagt Mantinou, denn er weiß, was das Leben alleine auf der Straße bedeutet.

Text: Kristina Kaba
Fotos: Anne Neumann

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