FAQ

Wie viele Flüchtlinge sind 2015 bisher nach Deutschland und Hamburg gekommen?
Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) veröffentlicht jeden Monat aktuelle Zahlen über die monatliche und jährliche Entwicklung der Asylanträge in Deutschland. Seit dem letzten Stand vom 31. Oktober 2015 gab es bisher im Jahr 2015 insgesamt 362.153 Asylanträge, wovon 331.226 Erstanträge waren und 30.927 Folgeanträge. Im Vergleich zum Vorjahr, in dem insgesamt 173.072 Erstanträge gestellt wurden, bedeutet dies ein Anstieg von 144,2% vom Jahr 2014 auf 2015.
Auch bei der monatlichen Entwicklung wird deutlich, dass die Anzahl der Asylanträge drastisch ansteigen. Im Oktober 2015 gab es insgesamt 54.877 Asylanträge, mehr als doppelt so viele als im Januar 2015 (25.042 Anträge).
Hamburg zählte im Oktober 2015 rund 16.100 Schutzsuchende mit Verbleib in Hamburg. Die Zahl derer, die über Hamburg weiter auf andere Bundesländer verteilt werden, ist deutlich höher.

Quelle: Statistik vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge

Aus welchen Ländern kommen die meisten Flüchtlinge nach Deutschland?
Laut dem BAMF zeichnet sich deutlich ab, dass es sechs dominierende Länder gibt, aus denen die größte Anzahl der Flüchtlinge stammt. Syrien bildet mit insgesamt 100.248 Erstanträgen den ersten Rang, gefolgt von Albanien (48.865 Erstanträge), Kosovo (32.163 Erstanträge), Afghanistan (20.434 Erstanträge), Irak (19.900 Erstanträge) und Serbien (15.346 Erstanträge). Die Anzahl der Asylanträge aus Syrien verzeichnet einen Anstieg von 249,8% im Vergleich zum Vorjahr 2014.

Quelle: Statistik vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge

Was sind Gründe für eine Flucht aus dem Heimatland?
Es gibt zahlreiche Gründe, warum Menschen gezwungen sind, aus ihrer Heimat zu fliehen. Die Hauptgründe dafür sind Verfolgung, Folter, Vergewaltigung, Krieg und Bürgerkrieg, drohende Todesstrafe und Zerstörung der Existenzgrundlagen.

Quelle: Pro Asyl

Wieso kommen viele Flüchtlinge nach Deutschland?
Viele Flüchtlinge haben Deutschland als Zielland – dies hat verschiedene Beweggründe:

1. Der Community-Gedanke:
Viele Flüchtlinge wollen in das Land fliehen, in dem bereits Verwandte und Bekannte leben, da es ihnen so erleichtert wird, Kontakte zu knüpfen und in den Alltag zu finden. Dies wird laut einer Umfrage des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge als wichtigster Grund genannt.

2. Die wirtschaftliche Stärke:
Da Deutschland das wirtschaftlich stärkste Land Europas ist, sehen hier viele Flüchtlinge eine große Chance auf Integrationsperspektive. Außerdem geben viele große Arbeitgeber in Deutschland an, verstärkt Flüchtlinge in den Unternehmen einzusetzen, um ihnen so eine Zukunftsaussicht zu geben.

3. Deutschlands Image:
In den meisten Ländern aus denen die Flüchtlinge stammen, herrscht ein sehr positives Image über Deutschland. Allerdings gibt es auch eine große Anzahl von Menschen, die nach der Flucht schockiert von der Realität in Deutschland sind, da es eine längere Zeit dauert, bis die Anträge bearbeitet worden sind.

4. Die ökonomische Sicherheit:
Dies ist ein sehr umstrittener Aspekt. Es gibt einige Ansichten, die der Meinung sind, dass viele Flüchtlinge nur nach Deutschland kommen würden, da sie vom Staat hier mehr Geld erhalten, als in ihrer Heimat. Einen Beweis für diese Behauptung gibt es laut dem BAMF jedoch nicht. Der Großteil der Flüchtlinge sei danach bestrebt, schnellstmöglich eine Arbeitserlaubnis zu bekommen, um sich ihren Lebensunterhalt selber verdienen zu können. Hinzu kommt, dass die Flüchtlinge aus den bedrohten Länder das Prinzip eines Wohlfahrtsstaates nicht kennen und so vom Staat auch nicht erwarten, sie „durchzufüttern“.

5. Transitland Deutschland:
Da sich Deutschland in der Mitte Europas befindet, durchqueren viele Flüchtlinge auf ihrer Route, z. B. nach Skandinavien, Frankreich oder Großbritannien das Land. Wer auf seiner Flucht ohne Papiere aufgegriffen wird, wird in Deutschland registriert und es findet ein Asylverfahren statt. Einigen Flüchtlingen geht aber auch während der Flucht das Geld aus, oder sie werden von ihren Schleppern einfach ausgesetzt. Die Anzahl der „zufälligen“ Flüchtlinge in Deutschland liegt laut dem BAMF bei rund 6%.

Quelle: http://web.de/magazine/politik/fluechtlingskrise-in-europa/fluechtlingskrise-europa-fluechtlinge-deutschland-30906102

Was passiert, wenn sie in Deutschland sind?
Es gibt ein klares Schema, wie das Verfahren für einen Flüchtling in Deutschland aussieht. Generell kann jeder Flüchtling, der die Grenze überwunden hat, bei den Behörden oder bei der Polizei einen Antrag auf Asyl stellen. Daraufhin werden sie in eine Erstaufnahmeeinrichtung gebracht, in der sie vorübergehend wohnen. In welches Bundesland ein Flüchtling gebracht wird, bestimmt ein spezieller Verteilungsschlüssel, der sogenannte Königsteiner-Schlüssel. In den Erstaufnahmelagern werden die Asylsuchenden registriert und können einen Antrag auf Asyl stellen. Sie erhalten eine Aufenthaltsgestattung, die ihnen erlaubt, in Deutschland zu bleiben, bis über den Asylantrag entschieden ist. Viele Asylanträge werden erst einmal gar nicht inhaltlich geprüft, weil ein anderer europäischer Staat für den betreffenden Flüchtling zuständig ist. Ist Deutschland allerdings für den Flüchtling zuständig, wird eine Anhörung des Asylsuchenden durchgeführt. Hierbei soll geklärt werden, warum der Flüchtling fliehen musste und ob aufgrund dessen ein Anspruch auf Anerkennung als Flüchtling besteht.

Rund drei Monate verbleiben die Flüchtlinge in den Erstaufnahmeeinrichtungen. Danach werden sie, streng nach der von der Behörde ermittelten Quote, einer bestimmten Stadt oder einem Landkreis zugewiesen. Einige Flüchtlinge bitten darum, in der Nähe ihrer Verwandten untergebracht zu werden. Dies wird jedoch nur bei Ehepartnern und minderjährigen Kindern berücksichtigt. Die Unterbringung erfolgt, je nach Ort, in eigenen kleinen Wohnungen oder in speziellen Lagern.

Quelle: Pro Asyl

Welchen Aufenthaltsstatus kann ein Flüchtling in Deutschland bekommen?
Es gibt verschiedene Stadien, die ein Flüchtling erreichen kann. Für die Einreise und den Aufenthalt benötigen Ausländer grundsätzlich einen Aufenthaltstitel. Insgesamt gibt es fünf verschiedene Aufenthaltstitel:

1. Aufenthaltserlaubnis:
Die Aufenthaltserlaubnis ist ein befristeter Aufenthaltstitel, der an einen bestimmten Zweck gebunden ist. Zu diesen Zwecken gehören die Ausbildung, Erwerbstätigkeit, politische/humanitäre/völkerrechtliche und familiäre Gründe (§16-36 AufenthG).

2. Blaue Karte EU:
Die Blaue Karte EU ist ein Aufenthaltstitel für Akademiker mit einem deutschen Hochschulabschluss oder einem anerkannten bzw. dem deutschen vergleichbaren ausländischen Hochschulabschluss. Sie ermöglicht einfach und unbürokratisch den Zuzug von Menschen aus Drittstaaten, die ihre fachlichen Fähigkeiten in Deutschland einbringen möchten. Die Blaue Karte EU wird zunächst für vier Jahre erteilt bzw. bei kürzerer Laufzeit des Arbeitsvertrags für dessen Laufzeit plus drei Monate.

3. Erlaubnis zum Daueraufenthalt – EU:
Die Erlaubnis zum Daueraufenthalt – EU wurde mit dem Gesetz zur Umwertung aufenthalts- und asylrechtlicher Richtlinien der EU im Jahr 2003 eingeführt. Hierbei handelt es sich um einen unbefristeten Aufenthaltstitel, den ein Ausländer aus einem Drittstaat nach fünfjährigem Aufenthalt in einem Mitgliedsstaat der EU erhält. Dieser Titel beinhaltet das Recht auf Weiterwanderung in einen anderen Mitgliedstaat und bietet, wie die Niederlassungserlaubnis, eine weitgehende Gleichstellung von Drittstaatsangehörigen mit eigenen Staatsangehörigen z. B. beim Arbeitsmarktzugang und bei sozialen Leistungen.

4. Niederlassungserlaubnis:
Die Niederlassungserlaubnis wurde mit dem Zuwanderungsgesetz als Aufenthaltstitel neben der Aufenthaltserlaubnis eingeführt. Sie ist, im Gegensatz zur Aufenthaltserlaubnis, nur ein unbefristeter Aufenthaltstitel.

Die Niederlassungserlaubnis berechtigt ebenfalls zur Ausführung einer Erwerbstätigkeit, ist räumlich unbegrenzt und darf, außer in durch das Aufenthaltsgesetz zugelassenen Fällen, nicht mit einer Nebenbestimmung versehen werden.

5. Visum:
Ein Visum ist eine Bestätigung eines fremden Landes, dass Einreise, Aufenthalt oder Durchreise erlaubt. Es wird in der Regel als Sichtvermerk in den Pass eingefügt.

Quelle: Bundesministerium des Innern

Wann und unter welchen Umständen darf ein Flüchtling in Deutschland arbeiten?
Welche Zugangsmöglichkeiten und -bedingungen zum Arbeitsmarkt für geflüchtete Menschen bestehen, hängt maßgeblich von ihrem aktuellen Aufenthaltsstatus ab, der durch den oben beschriebenen Aufenthaltstitel beschrieben wird. Dieser regelt im Aufenthaltsgesetz die Möglichkeit der Ausführung einer Erwerbstätigkeit. Anerkannte Asylbewerberinnen und -bewerber, die vom Bundesamt einen positiven Bescheid erhalten haben, dürfen grundsätzlich uneingeschränkt arbeiten.

Zuständig für die Erteilung von Arbeitserlaubnissen bzw. für die Zustimmung zum Aufenthaltstitel ist die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Bundeagentur für Arbeit mit ihren regionalen Standorten. Sie wird bei der Vergabe des Aufenthaltstitels intern durch die Ausländerbehörde eingeschaltet.

Es gibt drei Voraussetzungen, die für eine Zustimmung der BA zur Aufnahme einer Erwerbstätigkeit von Drittstaatsangehörigen erfüllt sein müssen:

1) Eine Rechtsvorschrift muss den Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt einräumen.

2) Es muss ein konkretes Arbeitsplatzangebot vorliegen.

3) Es steht kein bevorrechtigter Arbeitnehmer für die konkrete Beschäftigung zur Verfügung und die Arbeitsbedingungen sind mit denen inländischer Arbeitnehmer vergleichbar.

Quellen: Bundesministerium des Innern, Pro Asyl & Arbeitsgenehmigungsverordnung

Wo kann ich mehr über das Thema erfahren?
Im Internet gibt es zahlreiche Websites, auf denen die Themen aufgegriffen und vertieft werden. Hier ist eine Übersicht mit vertrauenswürdigen Seiten:

Bundesamt für Migration & Flüchtlinge:
http://www.bamf.de/DE/Startseite/startseite-node.html

Bundesministerium des Innern:
http://www.bmi.bund.de/DE/Home/startseite_node.html

Pro Asyl:
http://www.proasyl.de/

Flüchtlingsrat Hamburg:
http://www.fluechtlingsrat-hamburg.de/